Fundraising

Als Fundraising wird in der Regel die Beschaffung von Mitteln und Ressourcen, bspw. von Spenden bis hin zur Bereitschaft Zeit für (ehrenamtliche) Mitarbeit zu geben, bezeichnet. Fundraising gilt als professionelles Finanzierungsmarketing, mit dessen Hilfe Non-Profit-Organisationen Unterstützer, Förderer und Interessenten gewinnen und zur Gabe von Mitteln und Ressourcen (das können Geld-, Sach- und Dienstleistungen sein) überzeugen und bewegen können.

Bedeutung des Fundraisings in der europäischen Gesellschaft

Der zunehmende finanzielle Engpass der öffentlichen Hand, der Städte und Gemeinden, hat dazu geführt, dass die Unterstützung von sozialen und gesellschaftsrelevanten Anliegen in den vergangenen Jahren stets weiter zurück gegangen ist. Parallel dazu werden aber die Bedürfnisse und die Aufgaben, die sich unserer Gemeinschaft stellen, alles andere als kleiner. Die immer stärker auseinander klaffende Schere zwischen fehlenden Zuwendungen und Bedürfnissen hat zur Folge, dass sich die Gesellschaft an die "neuen" Voraussetzungen angepasst hat und immer mehr selbst die Initiative übernimmt.

Fundraising und Sponsoring aus professioneller Hand

Aus diesem Grund hat neben dem Sponsoring auch das Fundraising in den letzten beiden Jahrzehnten eine immer wichtigere Rolle als zusätzliche Form der (meist monetären) Mittelbeschaffung eingenommen. Und somit ist heutzutage das Fundraising, wie das Sponsoring auch, eine professionelle Tätigkeit, die von ausgebildeten Spezialisten übernommen wird. Im Bereich des Spendensammelns sind das vielfach humanitäre und soziale Hilfsorganisationen oder Umweltorganisationen. Aber auch Kultur- oder Bildungseinrichtungen professionalisieren zunehmend das Fundraising im eigenen Haus oder bedienen sich, wie im Sponsoring schon seit vielen Jahren üblich, bei speziellen Agenturen oder Dienstleistern. Immer mehr gemeinnützige Organisationen übertragen also die Beschaffung von Mitteln hauptberuflichen Fachkräften.

Fundraising in der Praxis

In der Praxis nutzen professionelle Spendensammler die gesamte Bandbreite des Marktzugangs und bedienen sich der unterschiedlichsten Instrumente. Die bekannteste Vorgehensweise ist mit Sicherheit die Ansprache in Form des Spendenbriefs, auch Face to Face Fundraising über ein persönliches Gespräch ist sehr geläufig. Weitere Fundraising-Instrumente können Firmenkooperationen, Telefonmarketing, die Vergabe von Lizenzen, Event-Fundraising, etwa durch Charity-Aktionen, Patenschaften und Lotterien sein. Der Zukunft gehört vor allem dem Online- bzw. Web 2.0- und Mobilfunk-Fundraising beispielsweise über SMS eingebettet in eine Live-Sendung oder über spezielle Internetseiten.

Der Schlüssel zum Erfolg des Fundraising ist ein systematisches Vorgehen, der eine spezielle Fundraising-Strategie zu Grunde liegt. Es ist nötig, sich klare Ziele, mittel- bis langfristig, zu setzen und vorab entsprechende Zielgruppen zu bestimmen. Dazu gehört auch, seine Umwelt, seine Mitbewerber und die eigenen Stärken und Schwächen zu kennen.

Fundraising - Spendenpyramide | © Metatop

Vom Fundraising profitieren alle Teile der Gesellschaft

Durch die Mittelbeschaffung des Fundraisings bzw. des Spendensammelns werden eine Vielzahl verschiedener Organisationen und Institutionen von regional bis global bedacht. Auch wenn der Sport einen großen Anteil in Sachen Spenden auf sich vereint, so werden bspw. Hochschulen und Bildungseinrichtungen durch das Fundraising versorgt, kulturelle Einrichtungen unterstützt, zahlreiche Hilfsprogramme für Kinder oder Notleidende in Krisengebieten gefördert oder Gesundheitsprojekte durchgeführt und soziale Verhältnisse und Missstände verbessert. Diese Aufzählung ließe sich nahezu unendlich fortsetzen.

Verbands- und Lobbyarbeit für FundraiserInnen

Im Vergleich zu Deutschland scheint die Schweiz wesentlich aufgeschlossener dem Thema Fundraising gegenüber zu stehen. Beispielsweise gibt es in der Schweiz den Verband "Swissfundraising", der aus dem ehemaligen Schweizerischen Fundraising Verband hervorgegangen ist. Er stellt die Plattform zur Interessenvertretung für FundraiserInnen und Non-Profit-Organisationen in der Schweiz dar und leistet wichtige Lobbyarbeit: Angestrebt wird die stetige Verbesserung politischer und wirtschaftlicher Rahmenbedingungen für das Fundraising.

Das österreichische Pendant zur Schweizer Interessenvertretung in Sachen "Spendensammeln" ist der Fundraising Verband Austria. Auch dieser positioniert sich als Informations- und Vernetzungsplattform der FundraiserInnen in Organisationen und Agenturen sowie für Berater des Non-Profit-Sektors, und schafft Rahmenbedingungen für die zunehmende Professionalisierung und bietet anerkannte Ausbildungsmöglichkeiten.

Bedeutung des Fundraising und Berufsbild Fundraiser

Der Schweizer Verband bezeichnet sich selbst als "massgebend und anerkannt in Europa im Bereich Mittelbeschaffung für Non-Profit-Organisationen in der Schweiz. Er ist führend in der beruflichen und persönlichen Aus- und Weiterbildung der FundraiserInnen."

Dementsprechend ist auch das Leitbild ausgerichtet: Der Verband fördert und entwickelt das Fundraising im Sinne einer systematischen, ethischen und professionellen Mittelbeschaffung für Non-Profit-Organisationen. Durch Tagungen, Lehrgänge, Publikationen und Austausch fördert Swissfundraising die Aus- und Weiterbildung von "Spendensammlern" und engagiert sich damit für die Anerkennung des Berufbildes FundraiserIn und für die Verbesserung dessen Bekanntheitsgrades und des Ansehens.

In der Schweiz gibt es verschiedene Weiterbildungsmöglichkeiten im Bereich des Fundraising wie zum Beispiel den Diplomlehrgang "Dipl. FundraiserIn VMI" oder die Vertiefung "Dipl. Fundraising-Manager VMI" sowie den Diplomlehrgang Fundraising Management an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) in Winterthur.

Fundraising vs. Sponsoring

Fundraising erfolgt in der Regel ohne eine Gegenleistung. Unter Spenden werden Geld- oder Sachleistungen verstanden, die der begünstigten Organisation überlassen werden, ohne dass ein besonderer Vorteil für den Spender erwartet wird. Die Spende ist in der Regel ein einseitiges Geschäft, das kann bspw. eine Zuwendung an eine soziale Einrichtung oder für einen sozialen Zweck, oder eben für einen Sportverein oder eine Sparte in diesem sein.

Im Gegensatz dazu ist das Sponsoring ein klassisches Mittel des Marketings; das bedeutet, der Sponsor will eine Gegenleistung haben. Das Sponsoring basiert also auf dem Prinzip der Leistung und Gegenleistung. Sponsoring bedeutet die systematische Förderung von Personen, Organisationen oder Veranstaltungen im sportlichen, kulturellen oder sozialen Bereich durch Unternehmen in Form von Bereitstellung von Geld-, Sach- oder Dienstleistungen mit dem Hintergrund, die Ziele der Unternehmenskommunikation zu erreichen. In der Praxis stellt der Sponsor, in der Regel ein Unternehmen, dem Geförderten, dem Sponsornehmer, Geld, Produkte oder Dienstleistungen zur Verfügung. Im Gegenzug darf der Sponsor dies in der Öffentlichkeit bekannt machen, mit dem vorrangigen Ziel der Imageverbesserung und die Bekanntheit zu erhöhen.